Mitteilungen des Referats für die
Kulturgüter der Orden - MiRKO

Die Menschen und ihre Vergangenheit – gestern, heute, morgen. Vom Wert der Archive in diesen Tagen

Ulrich Helbach (Historisches Archiv des Erzbistums Köln)

Vortrag gehalten am 12. Juni 2017 bei der gemeinsamen Jahrestagung der Diözesanarchive und der Ordensarchive in Innsbruck

Der Untertitel zu diesem Beitrag lautete zunächst etwas unauffälliger „Vom Wert der Archive in unserer Zeit.“ Zwischenzeitliche Geschehnisse veranlassten mich, diese Formulierung abzuwandeln in: „Vom Wert der Archive in diesen Tagen“.
 

Der Autor im Magazin des Histor. Archivs des Erzbistums Köln (Foto: Histor. Archiv des Erzbistums Köln).

Was hat es auf sich mit diesem zuspitzenden Akzent, der offensichtlich eine gewisse Akzeleration im Erleben meiner und unserer Archivarbeit ausdrückt? Was bewegte mich als Mensch und in meiner Rolle als Archivar jüngst ganz persönlich? Was ließ mich ein Stück weit innehalten und somit auch den Tenor dieses Beitrags entsprechend modifizieren?

Wir Archivarinnen und Archivare wirken bekanntlich an einer zeitübergreifenden Aufgabe. Wir steuern Archive in ihrer Zeit und dienen Menschen: Nutzer, Kunden, Gäste unserer Archive und ihrer Bestände. Dabei werden wir von immer neuen fachlichen Herausforderungen, rechtlich, technisch, pekuniär, angestoßen, ja bisweilen auch getrieben.

Als 2015/16 die Krisen unserer, man möchte sagen, in der Beschleunigung aus dem Tritt geratenen Welt unsere und in dem Fall meine sehr unmittelbare Lebens- und Berufsumgebung erreichten, nämlich in Form der rasanten Flucht- und Migrationsbewegung, als der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in der ihm eigenen klaren Weise gegen Abschottung, für eine „Globalisierung der Nächstenliebe“ und ganz generell für unser aller mutigen Aufbruch ins Unbekannte – allein im Vertrauen auf Gott – sprach und predigte, als sich in unserem Bistum das tägliche Denken, Fühlen und Angesprochen-Sein über Monate für die kirchlichen Mitarbeiter konkret um die Themen „Menschenwürde“, „Hilfe“, „Wandlungsbereitschaft“ und „Gottvertrauen“ drehte, als wir also auch im kirchlichen Archiv viel stärker als sonst in unserem Dienst üblich auf die Belange der gegenwärtigen Menschen abseits archivischer Angebote fokussiert waren: Da fragte ich mich ganz persönlich, als Archivar und als Christ, was das so stark Erlebte für die tägliche fachliche Arbeit meiner Person und – als Leiter – meines Kirchenarchivs bedeuten mag.

Archivare sind, so heißt es, im Kern unseres Berufes, nämlich der Grundlagenarbeit, „ruhender Pol“ im „Gewitter der Tagesmeinungen“. Der Archivar führe von den Tagesereignissen wenig beeinflusst „zu den Quellen der Probleme zurück“ und trage „deshalb zur Objektivierung in der Leidenschaft der Auseinandersetzungen bei“; so Kardinal Meisner 1996 zum 75. „Geburtstag“ unseres Kölner Archivs[1]. Nun aber waren viel stärker als sonst in meiner nun mehr als 25-jährigen Berufszeit die aktuellen Herausforderungen unserer Kirche und Gesellschaft im Dienst an den Menschen zu spüren; solchen, die auf der Flucht waren oder ihre Lebenschancen in der Fremde suchten, aber auch Menschen unserer Umgebung, die sich von den in ihrer Dynamik umbruchartigen Ereignissen verunsichert oder gar bedroht fühlten.

Was bedeutet dann in solchen Momenten noch die krude Archivarbeit? Welche Rolle kann dann ein Archiv einnehmen, das sich standardmäßig mit Quellen der Vergangenheit befasst und vom Auftrag her eher auf die insbesondere kognitiven Fragen nicht zuletzt der Wissenschaft geeicht ist? Und was kann das Archiv selbst mitnehmen aus dem aktuellen Erleben?

I.

Der grundsätzliche Nutzen unserer Archive für die Öffentlichkeit, für die Gesellschaft und damit für die Menschen steht seit langem außer Frage. Die Zeiten, in denen die Archive „undurchdringlich“ und „verschlossen“ außerhalb der bürgerlichen Lebenswelt standen, sind Geschichte: Inzwischen finden Forscher und viele andere Interessenten den geregelten Weg in die Archive. Aber der normale Kölner Bürger wusste 2009 nicht – ich habe viele solcher Stimmen gehört –, was „in dem unscheinbaren (fensterlosen) Gebäude sich befand“, nicht, dass dort das Stadtarchiv war – und auch die Bauverantwortlichen für die Kölner U-Bahn wussten darüber wohl nicht ausreichend Bescheid hinsichtlich Inhalt und Gewicht des Objekts, aber das ist ein anderes Thema.

Erst und gerade im Unglück erkannten also viele Menschen – weit über Köln hinaus –, was es in den Archiven an Schätzen gibt, dass sie Identität stiften und Selbstvergewisserung geben können, und man sie deshalb gut schützen muss. Offensichtlich – das war 2009 zu spüren – vermögen Archive die Menschen zu bewegen. Archive haben also einen Bezug auch zu den Menschen, die nie ein Archiv betreten werden.

Menschen brauchen für die eigene Identität sozusagen feste Koordinaten, Selbstgewissheit und damit ein bewusstes Wissen um ihre Vergangenheit. Archive hüten sozusagen Vergangenheit, machen sie spürbar und authentisch verfügbar, von Generation zu Generation immer wieder neu, – auch in Zeiten wie diesen, mit ihrer erhöhten Dynamik und ihren brennend-aktuellen Fragen. So erscheint es lohnend, einmal nachzudenken über diese auf uns als Menschen wie auf uns als Archive zielenden Fragen; Fragen, wie sie sonst eher in „Sonntagsreden“ oder in Lyrikpassagen der Drittmittelanträge vorkommen. Entfernen wir uns dabei einmal gedanklich vom fachlichen Alltag, vom Blick auf die Nutzergemeinde und ihre vor allem kognitiven Wünsche an die Archive als Wissensspeicher und Wissensspender.

Dabei lohnt zunächst noch einmal die Reflektion auf die klassische, grundlegende Dimension der Bedeutung von Archiven, um danach die Frage zu stellen nach einem Mehrwert in diesen Tagen – hier speziell auch in kirchlichen Archiven: Was bedeutet den Menschen ganz grundsätzlich, in der Tiefen, die Vergangenheit – in Zeiten wie diesen? Was zählt in Zeiten, in denen es manchmal so scheint, als halte das „Gestern“ kaum noch Rezepte für das „Heute“ und das „Morgen“ bereit?

Auf dieser Basis ist dann die konkrete Arbeit der Archive und Kirchenarchive über den üblichen fachlichen Horizont hinaus zu durchdenken: Welche Impulse lassen sich speziell heute für unser Tun ableiten, um das eigene Handeln gegebenenfalls neu zu reflektieren, um es im Kontext zu sehen und anderen Menschen – solchen, die aus unseren Beständen nicht die klassischen kognitiven Informationen interessieren – gegenüber verständlich zu machen?

1. Identität

Allgemein wird das Bild vom Archiv als „Langzeitgedächtnis“ verwendet. Die politische Ordnung spricht auch gerne vom „Kulturellen Gedächtnis“. Plastischer ist die bekannte Weisheit: „Wer seine Herkunft nicht kennt, der kennt auch nicht seine Zukunft“. Gern wird auch das Bild von „Gedächtnis“ gezeichnet und in Bezug gesetzt zum elementaren Wert desselben für die Persönlichkeit des Menschen; ein Faktum, welches uns im Problem der Demenzerkrankungen anschaulich wird. Oder man erkennt – philosophisch tief – mit dem Dänen Søren Kierkegaard[2], dass das Leben nach vorwärts gelebt werden muss, dass es aber nach rückwärts verstanden wird.  

Auf der Suche nach eine Facette vergegenwärtigter und greifbarer Identität sind gewiss auch viele der Menschen, die mehr noch als es das „Hobby“ Ahnenforschung, Family Research, erfordert, den Wurzeln ihrer Vorfahren nachspüren. Weit existenzieller ist das Suchen der ehemaligen „Heimkinder“. Als Erwachsene sind sie heute auf der Suche nach ihrer Herkunft, nach den Wurzeln ihres Menschseins, ihrer Persönlichkeit: Ihnen fehlen aus der Kindheit die Erzählungen der Familie, die Fotoalben, die Briefe. Wer waren meine Eltern? Habe ich noch Geschwister? In welche Verhältnisse wurde ich geboren? Was habe ich den anderen bedeutet? Warum kam ich ins Heim? So lauten die identitätsstiftenden Fragen, welche der Großteil von uns Menschen für sich in aller Regel wie selbstverständlich beantworten konnte und kann.

Das existenzielle Suchen der Einzelnen in der eigenen Vergangenheit aber kontrastiert zunehmend mit jenem kollektiven Vergessen – so der Schriftsteller und Kulturhistoriker Manfred Osten[3] – in allen Lebensbereichen. Wir Zeitgenossen erleben das heute im Zeichen eines rastlosen Modernisierungs- und Globalisierungs-Pro­zesses, begleitet von Kontinuitäts­brüchen und Traditionsverschüttungen in einem noch nie erfahrenen Ausmaß. Wir spüren, so Osten, eine Beschleunigung an Erfahrung und erfahren zugleich eine in der Geschichte beispiellose Akzeleration des Vergessens, in Bildung, Kultur, Politik.

Zwei ganz unterschiedliche Beispiele konkreter archivischer Relevanz lassen sich benennen; zum einen der fast völlige Verlust der religiösen Symbolwelt: Unsere schriftlichen Quellen von vor nur zwei bis drei Generationen atmen noch das selbstverständliche Verstehen dieser Symbole im Kontext von Heiligen, Riten, Gebeten usw. Zum anderen die subtile Ungewissheit, ob die nun entstehenden rein digitalen Aufzeichnungen der Zeit wirklich über Krisen, Kriege und andere Brüche hinweg – in permanenter Adaption an immer neue technische Standards – als dematerialisierte „Gedächtnisdaten“ erhalten werden.

2. Manipulation

Dass das nachweislich Gewesene, das Faktische, für unser Tun gar nicht mehr zwangsläufig relevant sein muss, wird uns in alternativ-faktischer Manier neuerdings auch in demokratisch verfassten Gesellschaften vorgeführt. Man staunt: „Macher“ unserer Zeit schaffen Realitäten durch immer neues Handeln oder Behaupten. Argumente werden durch die nächsten „postfaktischen“ Schritte rasch überholt.

Wie tiefgreifend Verunsicherung über die Vergangenheit wirken kann, das zeigen uns die rasch zunehmenden Verschwörungstheorien in den digitalen Netzwerken und sozialen Medien. Sie kennen als harmloses Beispiel die Diskussion um die Mondlandung. Die heute über 60-Jährigen hatten sie in aller Regel bewusst am TV erlebt. Eine wachsende Zahl von Zeitgenossen führt nun gegen deren Existenz zweiflerische Gründen an. Gewiss, so der seriöse Dozent für Raumfahrtechnik (in München), Ulrich Walter[4], der das Ereignis Mondlandung, verteidigt, aber doch betont, Vergangenheit existiere nur in unserem Kopf. Was es gebe, seien in sich schlüssige Theorien. Dabei sei aber die Annahme, die Landung habe stattgefunden, die plausiblere. Es sei Aufgabe der Gegner, sie zu falsifizieren.

Wir wissen: Unsere menschliche Erinnerung ist grundsätzlich keine stabile Basis der Vergangenheitsbetrachtung. Der renommierte Neurobiologe Wolf Singer sagt uns[5], dass Wahrnehmung und Erinnerung nach der Neurobiologie konstruktive Akte mit beträchtlichen Spielräumen sind; eine Erkenntnis, welche inzwischen auch die historische Wissenschaft methodisch in Rechnung stellt, so besonders der Historiker Johannes Fried[6].

Andere Verschwörungstheorien sind weit gefährlicher. Immer wieder bestätigen sich die von der Idee Faszinierten, im Stile einer „Self-fulfilling-Prophecy“. Zu überzeugen sind sie, ebenso wie die vom Hass getriebenen Fanatiker, nicht. So gibt es nach Robert Musil den Habitus der „intelligenten Dummheit“ als „Nicht-Bereitschaft des Verstehens, also der Wille zu historischer Amnesie“. Sie prägt heute das schon angedeutete Klima der alternativen Fakten, „pädagogischen“ Sichtverengungen, bewussten Lügen und gestreuten Gerüchte[7].

3. Geschichtsauslöschung

Individuen, Gruppen, Gesellschaften und Völker können geradezu historische Erinnerungslücken aufweisen, wenn etwa Ereignisse oder Zeiträume überfokussiert und andere ausgeblendet sind; das kann im Einzelfall politisch gewollt sein. Am brutalsten kennt man es in Form der gewaltsamen Geschichts-Auslöschung durch diktatorische Regime, etwa die stalinistischen Säuberungen.

Der kirgisische Schriftsteller Tschingis Aitmatow beschreibt in seinem 1980 erschienenen Roman „Ein Tag länger als ein Leben“[8] das Schicksal eines Angehörigen eines Steppenvolkes, dem man durch spezielle Folter das Langzeitgedächtnis genommen hat: Er kannte seine Kindheit, seine Vergangenheit nicht mehr; eine – so der Roman – stumme, wirtschaftlich nützliche Kreatur. In demselben Roman verbieten die Machthaber auch das Tagebuchschreiben. Es sei wichtig, die Vergangenheit so darzustellen, wie es jetzt notwendig sei „wie wir es heute brauchen. Denn was uns nichts nützt, daran müssen wir uns nicht erinnern. Wenn du dich daran nicht hältst, handelst du feindlich“. Derart verzerrte Geschichte dient nur noch der Identität des Kollektivs.

Auch George Orwells Roman „1984“ aus dem Jahr 1949, mit der künstlich manipulierten Sprache „Neusprech“ sowie der Maxime „Unwissenheit ist Stärke“ ist hier zu nennen. In den kommenden Zeiten einer digitalisierten Welt könnten sich in der Hinsicht neue manipulative Möglichkeiten ergeben.

Hier zeigt sich im Besonderen der zeitlos unersetzliche Wert authentischer Quellendokumente und ihrer Bewahrung in den Archiven – für die Menschen. Dokumente entstehen in Entstehungszusammenhängen. Sie können manipuliert sein, was es zu erkennen gilt. Aber mit ihrem Übergang ins Archiv werden sie zu Archivalien und unterliegen nun keinen Veränderungen mehr. Als Referenzstücke der Wahrheit entlarven sie damit – etwa im Bereich der Bildquellen – außerhalb der Archive ggf. veränderten Exemplare desselben Bildes.

4. Fakten und Momente: Archive als Referenzpunkte

Die Archive stehen da als verlässliche Hüter der Erinnerung, als natürlicher Feind von Mythen und Pseudowahrheiten. Vordergründig mag man angesichts fachlicher Kriterien unserer unvermeidlichen Auslese zwecks Generierung bzw. Bildung einer Überlieferung auch Skepsis gegenüber Archiven haben: Der Schriftsteller Peter Høeg lässt die Heldin seines Kriminal-Romans „Fräuleins Smillas Gespür für Schnee“ (1992) sagen: „Das Archiv ist ganz einfach der auskristallisierte Wunsch nach einer geordneten Vergangenheit.“ Sicher gilt: „Wer seine Akten vernichtet, (der) kommt in der Geschichte entweder nicht oder er kommt verzeichnet vor“ (Gerhard Pferschy[9]).

Archivische Quellen geben verlässliche Einsichten in die vergangene Wirklichkeit. Sie zeigen – neben den konkreten Verhältnissen – in faszinierender Weise die Einmaligkeit der Situation, den historischen Augenblick des Sorgens und Hoffens, Wendens und Werdens. Beispiele dafür ließen sich vielfach benennen.

Mit der Einsicht in den vergangenen Augenblick wird aber anders als beim Betrachten der gewesenen Verhältnisse zugleich die Bewegung, der Fortgang der Geschichte spürbar. Geschichte ist immer chronologisch, nicht logisch, so sagt es ein Bonmot[10]. Sie ist immer in Bewegung, kennt keinerlei Stillstand.

An der Stelle drängt sich die entscheidende Frage auf: Werden die Archive in der hier skizzieren tieferen Funktion, als Referenz des Gewesenen, anerkannt? Eignen Sie sich als Ankerpunkte für Identität? Und wenn ja, liefern Sie damit Impulse für eine Zukunftsweisung?

Dazu sei der Blick speziell auf die Kirchenarchive gerichtet: Die Kirche als Träger von Archiven bekennt sich, bei allen Vorbehalten in einzelnen, zu ihrer Geschichte.
Im Kern der Botschaft und Lehre zeitlos, hat sie sich doch in ihren Erscheinungsformen gewandelt. Gerade die Kirche hat – viel stärker als die stärker von bloßer „Erinnerungskultur“ zehrende politisch-gesellschaftliche Ordnung – ein klares Programm in punkto Vergangenheit. Heute weiß man, z.B. Dank John Henry Kardinal Newman, die Theologie geschichtlich zu denken[11]. Vor diesen Hintergründen öffnet die Kirche ihre Archive nicht bloß, sondern sie hat sie fachlich professionalisiert. Das allgemeine, weltweit geltende Kirchenrecht (CIC) ebenso wie, so ist zu hoffen, die kirchlich Verantwortlichen, sehen die (geöffneten) Archive als eine der substantiellen Aufgaben unserer Kirche[12]. Hervorgehoben wird durch den Vatikan die pastorale Funktion der Archive[13]. Soweit die Archive der staatlich-gesellschaftlichen Ordnung verpflichtet sind, wird in Europa ihr Beitrag „zur Förderung und Festigung einer partizipatorischen und offenen Zivilgesellschaft“ betont[14].

Wenn also die Kirche zu ihren Archiven steht, besteht dann nicht für die Archivverantwortlichen – neben dem Erfüllen der fachlichen Verpflichtungen und der Einhaltung von Standards, z.B. nach guten Archiv-Räumen und geeignetem Personal – die pointierte Pflicht auch darin, auf der grundsätzlichen Ebene des „Selbst-Bewusstseins“ und des „Berufsethos‘“ in der jeweiligen Zeit tiefergehende Ziele zu formulieren, als z.B. bloße Kennzahlen verbuchter Nutzungen oder publizierter Bände?

II.

Es steht die Frage im Raum, ob uns die skizzierten sehr grundsätzlichen Aspekte zu „Mensch und Vergangenheit“ heute ausreichend helfen, wenn es darum geht unsere Arbeit zu rechtfertigen und konkretere zukunftsorientierte Impulse aus unserer praktischen Arbeit und unserem fachlichen Wirken zu schöpfen?

Zeiten des Umbruchs, Krisen und Wandel in unserer Welt, Veränderungen in Traditionen und Lebensformen, verunsichern viele Menschen. Sie sehen sich gezwungen, ihre Identität selbst zu konstruieren, sich ständig neu anzupassen. Das alles schlägt ihnen gar – mit psychologischen Worten gesagt – tief „auf die Seele“ angesichts der immer zwanghafteren Betonung von Hektik, Pluralität, Beschleunigung, Flexibilität und Selbstoptimierung unter der Gefahr des Verlustes aller Maßstäbe[15].

Genau dagegen aber bieten unsere Archive gerade heute ein heilsames Mittel, einen Stoff, der – neben der Funktion als Reservoir für die Identitätssuche – in einer Phase „des kollektiven Vergessens“ nicht nur positivistisch oder gar beschönigend zeigt, was einmal war, oder erklärt, wie etwas geworden ist. Nein, die Archive und die Nutzer unserer Überlieferung sind mit dem Philosophen Friedrich Schlegel gesprochen „rückwärtsgewandte Propheten“, und zwar des ständigen Wandels[16]. An den Beständen unserer Archive lässt sich aufzeigen: Der Lauf der Geschichte war und ist nach dem Willen Gottes für uns weder vorhersehbar noch berechenbar.

Die „rückwärtsgewandte Prophetie“ des ständigen Wandels ist zugleich Zeichen für den fortschreitenden Wandel in unserer Kirche. Fast alles findet sich als irgendwann historisch geworden und gewachsen. Und es gibt, das ist der springende Punkt, keinen Grund zu der Annahme, dass das „Sich-Verändern“ jetzt auf dem Ist-Stand verharren könnte.

Aber auch für uns, die Archivare selbst, muss in Demut klar sein: Vieles an unserer fachlichen Arbeit, auch manches, was förmlich „gehypt“ oder im übertragenen Sinne „geheiligt“ wird, ist nur Durchgangsstation auf einem Weg.

Vor diesem Hintergrund und mit dieser Erkenntnis könnte bzw. müsste es die Haltung der Archive sein, nicht nur primär das Besondere und länger Bleibende positiv zu fokussieren, sondern auch den Wandel und sein Erleben mit zu gestalten, indem wir ihn deuten, anerkennen und positiv konnotieren.

Auch in dem bislang in der beruflichen Diskussion wenig betonten Sinne können wir Archivarinnen und Archivare ein Stück weit wirken: gegen Ideologisierung und Idealisierung der Vergangenheit, gegen indoktrinierendes Denken, gegen die Sehnsucht nach einem Wertebild ohne Grautöne, gegen die moderne Ignoranz eines „So genau wollen wir es gar nicht wissen“ und auch gegen die allzu menschliche Sehnsucht nach schnellen Erklärungen und Urteilen. Oder – anders gesagt – für eine menschliche Gesellschaft, für die humanisierende Kraft des Zweifelns, eine historische Rückbindung aller Religionen und – ganz direkt – für die Wandlungsfähigkeit unserer Kirche; nicht zuletzt für ein zeitgemäß-vorwärtsgewandtes Verständnis unserer Werte und Identitäten.

Was aber bedeutet ein solches Ethos ganz konkret für die Arbeit der in dem Falle kirchlichen Archive? Wie können diese in solche Denk-Richtung wirken?

Von der allgemeinen Wahrnehmung unbestritten, sind unsere Archive eine existenzielle, aber auch politische Realität am jeweiligen Ort in seiner Zeit: Sie sind nolens volens – so sagte es der Journalist Heribert Prantl auf dem deutschen Archivtag 2011[17] – „systemrelevant“, und zwar für jedes gesellschaftliche System. Und sie stehen damit stets auch im politischen Fokus. Archive sind, so Prantl, Gedächtnissicherungs- und Fehlervermeidungs-Apparaturen, haben u.a. damit also politischen Nutzen für die Menschen.

Für die kirchlichen Archive lässt sich Entsprechendes benennen: Sie gemahnen von Zeit zu Zeit die Hierarchie an die nicht immer glatte Geschichte der Institution – Zwangsarbeiter, Heimkinder, Missbrauch, lauteten Stichworte der jüngsten Zeit – und sie helfen aktiv mit, dass die Verantwortlichen unserer Kirche heute in Klugheit und Würde dazu Stellung nehmen und Schlüsse ziehen können. Die „Erdung“ der Fragen an den authentischen Fakten durch ergebnisoffene Ermittlung schafft Glaubwürdigkeit und Transparenz. Derartige, erst von außen her in ihrer Breite „aufgedeckten“ „Skandale“ bewirken ebenfalls wiederum Veränderungspotentiale in verschiedener Hinsicht, nicht bloß für die Eigensicht auf die Geschichte.

Das aber sind – auch aus Archivsicht – eher die Sonderfälle. Darüber hinaus gibt es diverse Felder der üblichen archivischen Alltags- und Linienarbeit, für die das Gesagte relevant ist; Aufgabenfelder, auf denen Archive mit geweitetem Blick auf ihre tiefere Rolle und auf die Erfordernisse der Menschen in der jeweiligen Zeit sozusagen quer denken und vorwärts handeln können. Fünf Beispiele seien genannt:

1. Überlieferungsbildung

Evident ist die richtungweisende Gestaltungskraft in Form der alleinstellenden „Macht“ des Bewertens. Dabei sei hier nicht an die Massen bloßer Finanz- und Verwaltungsakten, sondern an ein Beispiel aus der Nachlass-Akquise erinnert.

Sollte man den kleinen aber feinen, sehr substanziellen Nachlass eines laiisierten, kritisch-vernetzten Priesters angeboten bekommen, dann mag da der evtl. große Aussage-Wert für das Thema „Zölibat“, den die amtliche Überlieferung so eben nicht aufweist, gegen politische Rücksicht auf den Archiveigner stehen. Vielleicht muss man aber, sofern der Übergebende oder Depositar „mitspielt“, eine solche Investition für die Zukunft zum politischen Schutz der Vorgesetzten nicht zeitnah „an die große Glocke“ hängen.

2. Priorisierung der Nutzbarmachung

Von ständiger Wirkmächtigkeit ist die ressourcenbedingte Priorisierung, sei es in der Bewertung oder der Inventarisierung von Beständen. Antreiben sollte dabei nicht nur der Aspekt der bloßen Nachfrage, sondern auch die Überlegung: „In welchen Beständen schlummern im eben genannten Sinne innovative Momente mit manchmal politischer Bedeutung.“ Natürlich bedarf es dabei der übergreifenden Kenntnis von den Inhalten der eigenen Bestände.

Ein eindringliches Beispiel hat kürzlich Prof. Hubert Wolf (Münster) erwähnt[18]:
das Konzil von Trient. Erst die Öffnung der Akten dieses Konzils (bei der Öffnung des Vatikanischen Archivs 1881) hat die Engführung in der Priesterausbildung ins Wanken gebracht. Bis dahin konnte man das Monopol des sog. „Tridentinischen Seminars“ propagieren und damit unhistorisch das Konzil gegen die verhasste (verweltlichende) Universitätsausbildung für Kleriker im 19. Jahrhundert instrumentalisieren, – und zwar so lange, wie die Akten des Konzils geschlossen waren.

Es ist nicht direkt an den Archiven, ganze Archiv-Schichten freizugeben. Gesetzlich festgelegte Schutzfisten sind zu wahren. Aber die Archive haben, bevor Nutzung möglich wird, immer wieder über die Bearbeitung bisher unbearbeiteter und somit noch nicht nutzbarer Bestände zu entscheiden. Darin liegt eine erhebliche Verantwortung.

3. Schutzfristverkürzung

Hieraus ergibt sich dann oft auch die Frage der Schutzfristverkürzung für Forschungsarbeiten. In Deutschland setzt die Kirchliche Archivordnung (KAO) seit 1988 darauf, dass Brücken gebaut werden zwischen dem Eigner, den rechtlich Betroffenen und der Forschung.
Das erfordert, nicht ohne Aufwand, ein Eindenken in Kriterien mit Blick auf den jeweiligen Entscheider, denn der muss sich auf die Einschätzung des Archivs verlassen können.[19]
Bei der Prüfung solcher Akten hat das Archiv es immer wieder auch mit den Aspekten „Veränderung“ und „Umgang mit Wandel“ zu tun; auch in unbequemer Thematik, z.B. da, wo Kirche aktuell mit ihren vor Zeiten fixierten Standpunkten und Entscheidungen konfrontiert oder wo sie sozusagen mit „Fragen“ noch nicht „fertig“ im Sinne des Historischen ist, obwohl diese Fragen seit bald 50 Jahren im Gespräch sind. Die Erstellung der geforderten Voten erfordert manches Mal ein couragiertes Ringen in der Sache, um ein tragfähiges Urteil als ausgleichende Grundlage für eine Entscheidung zu schaffen.

4. Transparenz

Intransparenz hat oft mit Festhalten an Macht und mit Angst vor Dialog zu tun. Transparenz steht für Glaubwürdigkeit und gegen unverstandene Beharrung. Soweit das möglich ist, sollte das Ergebnis der archivischen (Vor-)Prüfungen auf Sondergenehmigung den Forschenden gegenüber transparent gemacht werden. Das wird, auch im Negativfall, in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht als ein „Mauern“ gesehen.

Transparenz sollte ein Archiv aber auch insgesamt ausstrahlen, angefangen mit der allgemeinen Nutzerberatung, sodann zu den Findhilfen und Online-Auftritten. Was nutzt die Präsentation einzelner digitalisierter Bestände, z.B. der Kirchenbücher, online, wenn die Öffentlichkeit keine breite Einsicht in die Metadaten (!) der anderen Bestände hat? Der Interessent soll sich ein ganzes Stück weit auf Augenhöhe mit dem Archivar ein Bild der verfügbaren Überlieferung zu machen.

Ein „Mehr“ an Transparenz gibt es übrigens heute tendenziell auch intern, dort, wo es um extrem schutzwürdige Unterlagen geht. Die Deutsche Bischofskonferenz publizierte 2016 offen nachlesbar erstmals eine Handreichung zum Umgang der Bischöfe mit ihrem „Geheimarchiv“[20]; allein das Wort zu nennen, schien früher schon problematisch. Die Praxis im Umgang mit solchen auf eine lange Zeit sensiblen Unterlagen ist in der Archivwelt insgesamt, aber auch unter den Kirchenarchiven verschieden. Es sind Verfahrensweisen möglich[21], die die Komplexität der Belange in einen probaten Ausgleich bringen, den Schutz der Inhalte, die Absicherung der Belange der Institution, die Verlässlichkeit für die kirchlichen Leitungen sowie die nach innen wie nach außen souveräne Rolle des jeweiligen Archivs.

5. Aktive pastorale Impulse

Ein Archiv vermag aus seiner fundierten Nähe zur Geschichte in sehr konkreter Form gezielt auch Akzente zu setzen, die die pastoralen Richtungs-Weisungen unterstützen und gerade heute Mut machen und Vertrauen geben; Mut in den Wandel als eine natürliche und positive Gegebenheit, die es zu leben und zu gestalten gilt.

Das kann in der vertrauten Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit[22] sowie etwa – auf Anforderung – in Aspekten oder gar Bausteinen für Predigten und Ansprachen etwa des Bischofs geschehen. Dabei kann und sollte dann die oft wenig ideale Vergangenheit als ein Beleg für die Notwendigkeit zum Aufbruch und die Natürlichkeit es Wandels dienen.

Hierin muss man sich in den historischen Botschaften bescheiden. Statt der ganzen kognitiven Tiefe der Quellen, die der Archivar durchschauen muss, braucht es populäre, verständliche Anstöße aus der Geschichte.

III.

Der Dienst der Archive bzw. unserer Archive hat eine ganzheitliche Bedeutung, indem er Bezug hat zu dem Menschen, – zwischen Aufbruch und Beharrung, Hoffen und Sorgen, Glauben und Zweifeln.
Damit steht er zunehmend in aktuellen Bezügen unseres kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens, auch wenn es
Patentrezepte für Fragen, wie sie eingangs von mir aus dem Erleben der Ereignisse 2015/16 geschildert wurden, nicht geben kann.

Der archivische Auftrag gebietet daher – natürlich im Rahmen der Loyalität - dreierlei:
Gerade die Kirchenarchive haben sich selbstverständlich den Fragen und Erwartungen aller Menschen zu stellen, –
nicht bloß ihren Nutzern und direkten Zielgruppen.
Sie haben den Blick bewusst weit über den Rand der üblichen Aufgaben zu richten.
Und sie haben ihr Berufsethos und ihr aktuelles Verhalten vorwärtsgewandt zu reflektieren.

Dann können sie weit mehr bieten als kognitive Erkenntnisse (für die man sie vielleicht zeitweise weniger zu benötigen glaubt), sondern sie stehen mit ihren Quellen auch als aktuelle Zeichen dafür, dass die Menschen wie die Kirche sich ihrer Vergangenheit versichern und sich auf ihre Zukunft einlassen können, (obgleich Lehren aus der Geschichte begrenzt sind und der Wandel in seiner Tiefe erst aus der Rückschau wahrnehmbar ist).
Wir Christinnen und Christen, so sagt es nicht allein Kardinal Woelki in Köln immer wieder,
können dabei auf Gott vertrauen.



[1] Publiziert: Joachim Kardinal MEISNER, Das Historische Archiv des Erzbistums Köln [Ansprache zum 75-jährigen Bestehen], in: Rheinische Heimatpflege 29 (1997) 100-102.

[2] Søren KIERKEGAARD, Die Tagebücher 1834-1855, Auswahl und Übertragung von Theodor HAECKER (Innsbruck 1923) u.a.

[3] Manfred OSTEN, Das geraubte Gedächtnis. Digitale Systeme und die Zerstörung der Erinnerungskultur. Eine kleine Geschichte des Vergessens (Frankfurt/M.-Leipzig 2004) 8 u.a.

[4] Dazu verschiedentliche Beiträge online. Der Physiker Walter war selbst auch Raumfahrer.

[5] Wolf SINGER, Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen. Eröffnungsvortrag des 43. Deutschen Historikertages, gehalten und erstmals veröffentlicht in: FAZ Nr. 226 vom 28.9.2000, 10; dazu ausführlich Osten, Gedächtnis (wie Anm. 3) 100-105.

[6] Johannes FRIED, Der Schleier der Erinnerung. Grundzüge einer historischen Memorik (München 2004).

[7] So der Physiker und promovierte Philosoph Eduard KAESER in seinem Beitrag zu Populismus und Ignoranz: „Intelligente Dummheit“ in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ Perspektive) (https://www.nzz.ch/meinung/populimus-und-ignoranz-intelligente-dummheit-ld.153097 (23.3. bzw. 30.10.2017)). Intelligente Dummheit hebt sich nach Musil (in dessen Vortrag „Über die Dummheit“ von 1937) in gefährlicher Weise ab von der „ehrlichen“, auf Beharrung und Wiederholung im Gewohnten und Gewöhnlichen setzenden „Dummheit“.

[8] Der Schriftsteller, der von 1928 bis 2008 lebte, verfasste Erzählungen und Romane in russischer und kirgisischer Sprache; als berühmtestes Werk die Liebesgeschichte „Dshamilja“. Er war einer der beliebtesten Autoren in der UdSSR und erhielt 1983 den Staatspreis der UdSSR für seinen Roman „Ein Tag länger als ein Leben“. Er war Mitgestalter der Perestroika und 1989 Berater Gorbatschows, 1990 UdSSR-Botschafter in Luxemburg, 1992 Botschafter Kirgisiens in Belgien (u.a. http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=111 (30.10.2017)).

[9] Gerhard PFERSCHY, Archive heute, in: Scrinium 46 (Wien 1992) 247-251, hier 249. Pferschy war 1977–1995 Direktor des Steiermärkischen Landesarchivs in Graz.

[10] Die „Weisheit“ stammt vom französischen Historiker Gustave Dupont-Ferrier (1865-1956) (Den Hinweis verdanke ich, so wie auch einige Anregungen zu Gedanken in diesem Beitrag, Prof. Toni Diederich, meinem Amtsvorgänger in Köln).

[11] Darauf wies auch Josef RATZINGER (heute Papa emeritus) mehrfach hin, so in einem Vortrag beim Symposium anlässlich des 100. Todestages von Newman im Jahr 1990: „Hier fand ich den Zugang zu Newmans Lehre von der Entwicklung, die ich neben seiner Gewissenslehre als seinen entscheidenden Beitrag zur Erneuerung der Theologie ansehe. Mit ihr hat er uns den Schlüssel in die Hand gegeben, geschichtliches Denken in die Theologie einzubauen oder vielmehr: er hat uns gelehrt, Theologie geschichtlich zu denken und gerade so die Identität des Glaubens in allen Verwandlungen zu erkennen.“ (Josef RATZINGER, John Henry Newman gehört zu den großen Lehrern der Kirche, in: L’Osservatore Romano (deutsche Wochenausgabe) Nr. 22 vom 3.6.2005, 9 (zitiert nach: http://www.newmanfriendsinternational.org/ratzinger-j-john-henry-newman-gehoert-zu-den-grossen-lehrern-der-kirche/ (5.4. bzw. 30.10.2017).

[12] So für das Historische Archiv des Erzbistums Köln in publizierter Form zuletzt: MEISNER, Archiv (wie Anm. 1) 102.

[13] Die Archivquellen als „Echo und Spuren … [des] Weges des Herrn Jesus in der Welt“: Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche. Die pastorale Funktion der Archive. Schreiben vom 2. Februar 1997, mit einem Anhang: Dokumente zum kirchlichen Archivwesen für die Hand des Praktikers, herausgegeben 31.7.1998 durch das Sekretariat des Deutschen Bischofskonferenz, Bonn (= Arbeitshilfe 142) 1998, hier 36 (bzw. Neuauflage vom 15.3.2016 (siehe Anm. 20) 45). – Im Konkreten sind die Archive damit in Form ihrer Archivalien Zeugnisse der seit Jahrhunderten erlebten menschlichen Erfahrungen mit dem Glauben, so Dr. Dominik Meiering, Generalvikar des Erzbistums Köln, in einem Vortrag am 20.8.2015 zur Einweihung einer Kunst am Bau: „Sie erzählen vom Aufbruch und Stillstand, Enthusiasmus und Resignation, von Kontinuität und Krise.“ Zitiert in: Ulrich HELBACH, „Weniger ist mehr“ – Die schwarzen Stäbe im Historischen Archiv des Erzbistums Köln, in: (Archivar 2016) 127-129, hier 129.

[14] So im Zusammenhang mit dem Deutschen Archivtag 2018 (Motto: „Verlässlich, richtig, echt – Demokratie braucht Archive!“ (Archivar 2017) (= Call for Papers durch Ralf JACOB) 327-329, hier 327.

[15] So jetzt der Psychologe und Psychotherapeut Peter CONZEN, in: Ders., Die bedrängte Seele. Identitätsprobleme in Zeiten der Verunsicherung (Stuttgart 2017).

[16] Friedrich SCHLEGEL, Athenäum: Fragmente 80 (Kritische Ausgabe seiner Werke, Bd. 2, München u.a. 1976) 176. Ähnlich Heinrich Heine, Prosanotizen (Sämtliche Werke, Bd. 10, Hamburg 1993), 318. Der Gedanken wurde weitergetragen; vgl. Hermann SCHMID, Der Historiker als rückwärtsgewandter Prophet im Denken Kierkegaards und W(alter) Benjamins, in: Kierkegaard Studies Yearbook (2004) 275-294.

[17] Heribert PRANTL, Das Gedächtnis der Gesellschaft. Die Systemrelevanz der Archive. Warum Archivare Politiker sind, in: Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) (Hg.), Alles was Recht ist. Archivische Fragen – juristische Antworten. 81. Deutscher Archivtag in Bremen (Tagungsdokumentation zum Deutschen Archivtag 16) 17-27, hier 17 f.

[18] Hubert WOLF, Des Kaisers neue Kleider […], in: Gabriele ANNAS/Jessika NOWAK (Hgg.), Et l’homme dans tout cela? Von Menschen, Mächten und Motiven (Festschrift für Heribert Müller zum 70. Geburtstag, Stuttgart 2017) 773-780, hier 775 f.

[19] Im Historischen Archiv des Erzbistums Köln gab es seit Ende der 1980er Jahre bald 300, bzw. jährlich 10 Sondergenehmigungsfälle. Fast alle wurden ganz oder teilweise genehmigt.

[20] Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche. Die pastorale Funktion der Archive. Schreiben vom 2. Februar 1997, mit einem Anhang: Dokumente zum kirchlichen Archivwesen für die Hand des Praktikers, [neu überarbeitet] herausgegeben 15.3.2016 durch das Sekretariat des Deutschen Bischofskonferenz, Bonn (= Arbeitshilfe 142) hier 128-134: Peter PLATEN und Stephan HAERING, Handreichung zum Geheimarchiv der Kurie (vom 1.3.2013) bez. Inhalt, Äußere Beschaffenheit, Aufbewahrungsfristen und Kassation, Nutzung.

[21] Beim Erzbistum Köln verwahrt man im Archiv in einem Zwischenarchiv-Schrank (den einzigen Schlüssel hat der Archivleiter unter Verschluss) geheime Unterlagen, die lange Zeit verwahrt, später aber bewertet und in aller Regel – wegen ihres historischen Werts – archiviert werden müssen. Der Leiter des Archivs stößt von Zeit zu Zeit Freigaben aus diesem Zwischenarchiv an, über welche die Bistumsleitung entscheidet.

[22] Dazu z.B. ein Statement des Autors zur Funktion des Archivs als Lehreffekt der Quellen in Sachen Bereitschaft zum Wandel, aufgezeichnet in der Reportage des Domradios (Köln) vom 13.10.2017 zum 50-jährigen Jubiläum des Angebotes von Papst Paul VI. (per Telegramm an Kardinal Höffner) vom 17.10.1977, sich als Geisel den Entführern der Lufthansa-Maschine „Landshut“ persönlich in die Hände zu geben (https://www.domradio.de/video/die-landshut-und-papst-paul-vi (30.10.2017)).

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Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, Vereinigung der Frauenorden Österreichs
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Referat für die Kulturgüter der Orden